Otee persönlich · Teil 3
Wer ich bin: Neugier, Knowledge-Engineering und mein Weg zur Gesundheitsuhr
Wie Du aus Deinen Daten Antworten statt Zahlen machst
Bevor ich Dir die Ergebnisse meines 180-Tage-Versuchs zeige, erzähle ich, wer ich bin: ein neugieriger Ingenieur, der seit 50 Jahren Daten zu Wissen macht – zuletzt über seine eigene Gesundheit.
Neugierig sein, kreativ sein, machen
In meinem letzten Beitrag „Mein Selbstversuch beginnt“ habe ich Dir die Ergebnisse meines Experiments mit der Apple Watch versprochen. Bevor ich sie zeige, will ich erklären, warum mich das Thema so packt. Dafür muss ich erzählen, wer ich bin.
Vor Kurzem hat mich Matthäus Hose gefragt, was mein Erfolgsrezept ist. Er ist Geschäftsführer der Componeers GmbH, wo Markt&Technik heute erscheint – die Zeitschrift, die ich vor 50 Jahren gegründet habe.
Meine spontane Antwort: neugierig sein, kreativ sein und machen. Diese drei Dinge machen mich bis heute aus.
Ich habe nie aufgehört, den Dingen auf den Grund zu gehen. Mit der Künstlichen Intelligenz ist eine neue Faszination dazugekommen, die mich ganz einnimmt.
55 Jahre mit Computern und Elektronik
Mein Leben ist geprägt von der Entwicklung der Computer und der Elektronik der vergangenen 55 Jahre.
Im Studium habe ich mit den damals teuren Transistoren experimentiert. In meinem ersten Job habe ich als Service-Ingenieur bei Siemens Großrechner repariert. Danach kam der Vertrieb im Computergeschäft.
Dann folgte der Sprung ins Mediengeschäft, der zu meiner Neugier passte. Auch dort drehte sich alles um Computer und Elektronik.
Gerade sitze ich wieder an meinem Mac mini vor zwei großen Bildschirmen und schreibe auf, was mich ausmacht. Denn Neugier, Kreativität und Machen allein machen noch nicht glücklich und erfolgreich. Es braucht ein Geheimrezept obendrauf.
Mein Geheimrezept: Knowledge-Engineering
Den Schlüssel habe ich in meinen Anfangsjahren bei Markt&Technik entdeckt. Ich nenne ihn Knowledge-Engineering.
Knowledge heißt Wissen: Fakten, Regeln und Fähigkeiten, die einem Menschen oder einem Team zur Verfügung stehen. Engineering heißt, Fachwissen systematisch anzuwenden, um Probleme zu lösen und Neues zu entwickeln.
Übrigens: Den Begriff gab es fast zur selben Zeit auch in der KI-Forschung. 1977 beschrieb der Stanford-Informatiker Edward Feigenbaum unter diesem Namen Computersysteme, die das Wissen von Experten nutzbar machen. Er kam aus der Forschung, ich aus der Verlagspraxis – das Ziel war dasselbe.
Zwei Beispiele aus den Anfängen von Markt&Technik
Anzeigenverkauf und Redaktion im Gleichtakt
Ende der 70er-Jahre habe ich Zielgruppen und Produktkategorien systematisch auf Großrechnern erfasst.
Der Anzeigenverkauf bekam daraus Listen der Ansprechpartner, mit Hintergrund zur jeweiligen Produktkategorie. Die Redaktion bekam den Auftrag, zu genau diesen Kategorien Schwerpunkte zu schreiben.
Das Ergebnis: Nach einem Jahr hatte Markt&Technik das Elektronik-Anzeigengeschäft erobert und die Wettbewerber abgehängt.
Budgetverantwortung mit Apple II und VisiCalc
Im Oktober 1979 kam VisiCalc auf den Markt, die erste Tabellenkalkulation für den Personal Computer – lange vor Excel. Sie lief auf dem Apple II.
Ich habe damit zuerst meine Budgetplanung mit den Ist-Werten verglichen. Das war äußerst nützlich.
Daraufhin habe ich entschieden: Jeder Verantwortliche für eine Produktkategorie – eine Zeitschrift, das Software- oder das Buchgeschäft – entwickelt und kontrolliert sein eigenes Budget selbst, mit Apple II und VisiCalc.
Das Ergebnis: ein riesiger Motivationsschub für alle. Und die Budgets waren im Lot.
Kalifornien, das Internet und ein Warnsignal
1991 verlasse ich Markt&Technik und ziehe nach Kalifornien. Dort entsteht gerade eine neue Welt: das Internet.
Natürlich fasziniert mich das. Ich starte einen Online-Dienst für deutsche Anleger, die in Technologie-Aktien investieren. Das Aus kommt mit der Finanzkrise 2007/2008.
Doch gleichzeitig öffnet sich wieder eine neue Welt. Mit dem T-Mobile G1 kommt das erste Android-Smartphone auf den Markt, 2009 der erste Fitbit-Tracker. Klar, dass ich beides haben muss.
Das Handy wird für mich mehr als ein Telefon. Ich speichere darauf alle Kundendaten, Termine und Aktivitäten.
Mein Leben mit Fitbit
2013 bringt Fitbit sein erstes Armband heraus. Es verändert meine Welt, denn es fällt in eine schwierige Zeit.
Die Jahre im Verlagswesen haben Spuren hinterlassen. Nach einem leichten Herzinfarkt bekomme ich meinen ersten Stent. Mein Lebensstil muss sich ändern.
Fitbit hilft mir, mein Leben neu aufzusetzen. Ich nehme zehn Kilo ab. Ich lerne, was ich essen sollte und welche Bewegung mir guttut, um meine Gesundheit zu erhalten und sogar zu verbessern.
Ich erlebe Knowledge-Engineering am Handgelenk.
Seitdem verlasse ich mich auf Fitbit und andere Sportuhren. Mit ihnen verfolge ich meine Gesundheit und richte meinen Alltag danach aus.
2015 kehre ich mit meiner Familie nach Deutschland zurück. Bis 2018 bekomme ich weitere Stents für eine bessere Sauerstoffversorgung meines Herzens.
Ab da vertraue ich den Sportuhren noch mehr. Ich beginne zu joggen. Das tägliche Gehen mit unseren Hunden wird fester Teil meines Tages. Und ich stelle meine Ernährung um.
Die Apple Watch: eine Gesundheitsuhr
Vor etwa einem Jahr kam meine erste Apple Watch dazu. Sie ist keine Sportuhr, sie ist eine Gesundheitsuhr. Das merkst Du erst, wenn Du Dich intensiv mit ihren Anzeigen, Messwerten und Empfehlungen beschäftigst.
Zeitweise trage ich zwei Uhren gleichzeitig. Mein Eindruck: Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität, Schlaf und Sauerstoff wirken bei der Apple Watch stimmiger als bei meinen anderen Sportuhren. Ihre EKG-Funktion ist sogar als Medizinprodukt zugelassen.
Was aber fehlt, ist die Auswertung: eine intelligente, persönliche Deutung meiner Daten. Die Apps liefern Zahlen und schöne Grafiken. Antworten liefern sie nicht.
Wie die KI meine Daten zum Sprechen bringt
Wieder hilft mir Knowledge-Engineering, diesmal mit Künstlicher Intelligenz. Ihre Entwicklung verfolge ich seit zwei Jahren intensiv. Seit Mai 2026 schreibe ich regelmäßig darüber, wie KI die Elektronik verändert.
Also frage ich Claude, die KI von Anthropic, ob sie aus meinen Apple-Watch-Daten etwas Sinnvolles machen kann. Die Antwort: ja. Eigentlich logisch – die nötige Messtechnik trägt in Deutschland inzwischen mehr als jeder Dritte am Handgelenk.
Claude empfiehlt mir die iPhone-App AI Health Export. Sie exportiert alle Apple-Health-Daten als CSV-Dateien, die sich auch in Excel öffnen lassen. Genau das braucht eine KI für eine echte Analyse.
Ich kaufe die App für 17,99 Euro, exportiere die Daten der letzten 180 Tage und lasse Claude sie auswerten.
Das Ergebnis ist überraschend konkret. Kein Ratgeber-Einheitsbrei, sondern Muster aus meinen eigenen Daten: ein starkes Herz – und eine Schwachstelle, die ich vorher nicht kannte.
Was das für Dich bedeutet
- Neugier, Kreativität und Machen sind die Basis – das Geheimrezept ist, Wissen mit Computertechnologie nutzbar zu machen.
- Was 1979 mit VisiCalc funktioniert hat, funktioniert heute mit KI.
- Ein Warnsignal Deines Körpers kann der Anfang sein, Deine eigenen Daten ernst zu nehmen.
- Deine Uhr liefert Zahlen – Antworten entstehen erst, wenn jemand sie auswertet.
- Genau in dieser Lücke zwischen Messen und Verstehen wachsen KI und Elektronik zusammen.
Wie es weitergeht
Am Dienstag, 20. Oktober, zeige ich Dir alle Zahlen aus 180 Tagen: was mein Herz verrät, wo mein Schwachpunkt liegt und welche Ratschläge der KI einer Prüfung standhalten.
Dein Otee
IntelligenceOnChip · oteeAI.de · Otmar Cürten, Founder Markt&Technik (KI-unterstützt recherchiert und redaktionell zusammengestellt)
Quellen
- Feigenbaum, E. A. (1977): The Art of Artificial Intelligence: Themes and Case Studies of Knowledge Engineering, IJCAI
- VisiCalc – Wikipedia (Veröffentlichung 17. Oktober 1979)
- Wareable: Remembering the Fitbit Flex (erstes Fitbit-Armband, 2013)
- Bitkom (3. September 2024): Consumer Technology 2024 – Wearables als neuer Trendmarkt
- AI Health Export im App Store