Folge 1 dieser Serie hat gezeigt: Der deutsche Compliance-Rahmen (AI Act, CRA, NIS2) ist kein Hindernis, sondern ein Wettbewerbsvorteil, wenn er von Anfang an mitgedacht wird. Folge 2 hat das für den Entwickleralltag konkretisiert. Diese Folge liefert jetzt die praktische Übersetzung für den Arbeitsalltag aller Berufsgruppen – mit einer einfachen Grundregel und vier direkt einsetzbaren Praxisbeispielen.
Vor jedem KI-Prompt im Berufsalltag lohnt sich eine kurze, immer gleiche Prüfung anhand von drei Fragen: Erstens, welche Daten gebe ich ein – enthält der Prompt Kundennamen, Seriennummern, Konstruktionsgeheimnisse oder personenbezogene Daten? Zweitens, wer prüft das Ergebnis, bevor es weiterverwendet wird – bleibt die menschliche Freigabe erhalten? Drittens, ist dieser Einsatz dokumentiert – lässt sich im Zweifel nachvollziehen, wo KI im Prozess mitgewirkt hat? Diese drei Fragen sind keine bürokratische Zusatzlast, sondern genau das, was AI Act, CRA und NIS2 ohnehin verlangen – wer sie sich zur Routine macht, ist automatisch compliant, ohne jedes Mal die Gesetzestexte konsultieren zu müssen.
Anwendungsfall: Vor der Übernahme von KI-generiertem Code oder KI-unterstützter technischer Dokumentation prüfen, ob relevante Normen und CRA-Anforderungen berücksichtigt wurden.
1. Hier ist ein Code-Ausschnitt bzw. eine technische Spezifikation: [Ausschnitt einfügen].
2. Prüfe, ob erkennbare Sicherheitslücken oder unklare Abhängigkeiten vorliegen, die unter dem Cyber Resilience Act dokumentationspflichtig wären.
3. Weise auf Stellen hin, die eine menschliche Sicherheitsprüfung vor der Freigabe erfordern.
4. Schlage eine kurze, für die SBOM-Dokumentation geeignete Zusammenfassung der verwendeten Komponenten vor.
Nutzen: Sicherheits- und Dokumentationslücken werden vor der Freigabe sichtbar, nicht erst im Audit – spart Nacharbeit und reduziert Haftungsrisiko.
Anwendungsfall: Vor der Aufnahme eines neuen Software- oder KI-Tool-Lieferanten prüfen, welche NIS2-relevanten Fragen im Vertrag geklärt sein sollten.
1. Ich möchte folgenden Lieferanten prüfen: [Firmenname, angebotene Leistung, z. B. "KI-gestützte Beschaffungssoftware"].
2. Liste die typischen NIS2-relevanten Fragen auf, die vor Vertragsabschluss geklärt sein sollten (Zugriffsrechte, Meldepflichten bei Sicherheitsvorfällen, Datenstandort).
3. Weise darauf hin, ob dieser Liefertyp typischerweise unter die NIS2-Lieferkettenpflichten fällt.
4. Schlage eine kurze Checkliste vor, die ich für das Erstgespräch mit dem Lieferanten nutzen kann.
Nutzen: Strukturierte Vorbereitung auf das Lieferantengespräch, ohne die eigentliche Risikobewertung an die KI abzugeben – die liegt weiterhin beim Management.
Anwendungsfall: Eine KI-gestützt vorformulierte Antwort auf eine technische Kundenanfrage erstellen – unter Beachtung der AI-Act-Transparenzpflicht, wenn KI-generierte Inhalte an Kunden weitergegeben werden.
1. Hier ist eine technische Kundenanfrage: [Anfrage einfügen, Kundennamen durch Platzhalter ersetzen]. 2. Formuliere eine fachlich präzise Antwort basierend auf folgenden Eckdaten: [technische Eckdaten einfügen]. 3. Kennzeichne die Antwort so, dass für mich als Absender klar erkennbar ist, welche Teile KI-generiert sind und welche ich noch fachlich ergänzen muss. 4. Weise mich darauf hin, falls der Inhalt so beschaffen ist, dass laut AI Act eine Kennzeichnung als KI-unterstützt gegenüber dem Kunden sinnvoll wäre.
Nutzen: Schnellere, fachlich fundierte Kundenantworten bei gleichzeitiger Wahrung der AI-Act-Transparenzpflicht – ein Vertrauensargument gegenüber Kunden, die zunehmend selbst auf verantwortungsvollen KI-Einsatz achten.
Anwendungsfall: Eine KI-gestützte Zusammenfassung mehrerer Optionen für eine anstehende Entscheidung erstellen – mit klarer Trennung zwischen KI-Vorschlag und eigener Entscheidung.
1. Ich stehe vor folgender Entscheidung: [Entscheidung kurz beschreiben, z. B. "Welchen von drei KI-Tool-Anbietern für die Entwicklungsabteilung auswählen"]. 2. Hier sind die relevanten Fakten zu den Optionen: [Fakten einfügen]. 3. Fasse Vor- und Nachteile jeder Option neutral zusammen, ohne selbst eine Empfehlung auszusprechen. 4. Weise auf Informationslücken hin, die ich vor der endgültigen Entscheidung noch klären sollte.
Nutzen: Strukturierte, schnell erstellte Entscheidungsgrundlage – die eigentliche Entscheidung und Verantwortung bleiben klar erkennbar beim Menschen.
Für den schnellen Zugriff im Alltag lassen sich die vier Beispiele auf eine einzige Faustregel verdichten: Sensible Daten prüfen, bevor sie den Prompt verlassen – Ergebnis immer von einem Menschen freigeben lassen – KI-Beteiligung dort kennzeichnen, wo sie für Dritte relevant ist. Wer diese drei Schritte zur Gewohnheit macht, arbeitet automatisch im Einklang mit AI Act, CRA und NIS2, ohne den Arbeitsfluss zu verlangsamen.
Was jede und jeder Mitarbeitende jetzt tun kann
Die drei Fragen vor jedem Prompt – welche Daten, wer prüft, ist es dokumentiert – als feste Routine etablieren und das passende Praxisbeispiel aus dieser Folge für die eigene Rolle einmal testweise einsetzen.
Was das Unternehmen ermöglichen muss
Eine unternehmensweit einheitliche, leicht auffindbare Richtlinie bereitstellen, welche KI-Werkzeuge für welche Datensensitivität freigegeben sind, statt jede Abteilung einzeln entscheiden zu lassen.
Jeder Prompt/Agent ist jetzt mit einem Label gekennzeichnet, das seine Stufe im Reifegrad kennzeichnet. Hilft den KI-Lernfortschritt einzuordnen.
IntelligenceOnChip · oteeAI.de · Otmar Cürten, Founder Markt&Technik (KI-unterstützt recherchiert und redaktionell zusammengestellt)
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